Barfuß-Laufen Teil 2 oder “Der Fuß. Des Menschen unliebstes Körperteil?”

Jetzt ist schon fast ein Jahr barfuß Laufen vorbei. Der erste Winter ist fast vorbei, die Tage werden wieder länger, die Vögel sind schon auf dem Heimweg und ein Fazit will gezogen werden.

Was bisher geschah…

Aus der einfältigen Idee die Schuhe nach einem sehr warmen Tag einfach nicht mehr anzuziehen, Ende Februar, wurde eine Leidenschaft für den barfüßigen Gang.

Der Sommer in Berlin war ordentlich sonnig und die fehlenden Schuhe haben mir das ein oder andere Mal komplett durchgeschwitzte Kleidung erspart. Denn ob man es glauben mag oder nicht, die Füße helfen enorm bei der Temperaturregulierung des ganzen Körpers. Der größte zu fühlende Unterschied lässt sich im direkten Vergleich beim Fahrradfahren mit und ohne Schuhe feststellen. Zudem, dass ich weniger stark geschwitzt habe, sind stinkende Füße eine Sache der Geschichte.

Berlin ist und bleibt ein hartes Pflaster. Zumindest sind es die Fußwege und man muss sich wirklich schnell an einen anderen Gang gewöhnen, sonst zerlegt es einem die Ferse und den Rücken inklusive aller Gelenke und Bandscheiben. Hier noch ein paar Eindrücke dazu von der Barefoot Academy. Eine Großstadt ist es sehr anregend für die Sinne und die Wahrnehmung seiner Umwelt. Nicht nur optische und auditive Reize auch haptische Reize überfluten einen, wenn man die verschiedensten Wegarten (Rasen, Dreck, Pflaster, Beton, Metall usw.) der Stadt barfuß beläuft. Ja auch ein paar Scherben habe ich mitgenommen, aber die bereits gebildete Hornhaut und die eigene Aufmerksamkeit beim Laufen haben gröbere Verletzungen verhindert. Zur Abwechslung einige Ausflüge ins Grüne oder Nachmittage im Park sind dann wie Urlaub für die Sinne von Kopf bis Zeh.

Bisher wurde ich gefühlt dreimal die Woche gefragt, ob mir denn nicht kalt wäre ohne Schuhe. Irgendwann habe ich entweder zurück gefragt, ob ihnen denn nicht heiß wäre oder ganz schlicht mit “warum nicht?” geantwortet. Und Tatsache wurde ich während der gesamten Zeit, trotz verschiedenster Beanspruchungen, nicht sonderlich krank! Klar, das mag auch an meinem relativ stabilen Immunsystem liegen, aber die vielen Warnungen vor Nieren-, Lungen- und Blasenentzündungen haben mich doch manchmal zum Überdenken meiner Barfüßigkeit gebracht.

Füße unter den Tisch

Persönlich am eindrucksvollsten zu beobachten ist die Verwunderung in den Gesichtern der Menschen, die wie es scheint sehr selten Füße sehen und das reine Entblößen des Fußes in der Öffentlichkeit möglicherweise verärgert beziehungsweise beleidigt. Ein Gesichtsausdruck, der mehr über die Haltungen und Einstellungen der “Starrer” erzählt als 100 Worte. Selbst an Orten, an denen man Toleranz, wenn nicht sogar eine “mir doch egal” Einstellung erwarten würde, hat man mich teilweise gebeten mir Schuhe anzuziehen, da ich sonst die Örtlichkeit verlassen müsse. Ich kann dies ehrlich nicht nachvollziehen, denn meine Füße sind sicherlich nicht unhygienischer als so manch ein abgetretener Schuh und selbst wenn ich den Gastgebern zu viel Haut zeigen würde, fände ich sicherlich jemanden der mich auch in dieser Disziplin ausstechen würde. Da man also ab und zu von der Gesellschaft und der Hausordnung dazu gezwungen wird Schuhe zu tragen, gehören deswegen ein Paar Not-Schuhe nun in mein Tagesgepäck für Events.

Ein paar spielerische Ideen um dich mit deinen Füßen mehr anzufreunden: Objekte versuchen mit den Zehen zu greifen, sich vorstellen mit den Zehen Klavier zu spielen oder “Hobbit-Füße” durch spreizen der Zehen imitieren. Auf die Zehenspitzen stellen, wie eine Ballerina oder den Fuß mal versuchen wie einen Halbmond zu formen. Alle diese eher banal bis kindlich anmutenden Übungen fördern die Muskulatur und Mobilität in den Füßen.

Füße sind anscheinend und bleiben für viele Menschen unattraktive, wenn nicht sogar die ekligsten Körperteile. Dabei sind grade die Füße eines der wirklich wichtigen und zu pflegenden Körperteile, denn schließlich tragen sie uns ein Leben lang und immerhin durchschnittlich 150.000-200.000 Kilometer weit. Das sind ca 3-4 Erdumrundungen in einem menschlichen Leben. Fast jeder Mensch wird mit gesunden Füßen geboren, doch haben nur noch 4 von 10 Erwachsenen gesunde Füße. Eine Tatsache, die von vielen Faktoren beeinflusst wird, vor Allem durch schlechtes Schuhwerk verstärkt werden.

Was machst du im Winter?

Diese Frage wird mir öfter gestellt und stellte sich mir von Anfang an. Ich gehe die ganze Reise “barfuß-Laufen” ohne Druck und Ziel an, wenn es also zu kalt wird ziehe ich die Schuhe und Socken einfach an. Bislang habe ich den Herbst mit all seinen Facetten, inklusive barfuß im Wald Pilze sammeln im Naturpark Barnim, sehr genießen können. Moos und nasses Laub sind nicht nur schön anzusehen, auch schön zu durchlaufen. Natürlich merke ich beim Gehen über nasskalte Pflastersteine, dass es kälter ist, aber durch die andere Art der Beanspruchung ist der Fuß von innen relativ warm. Es empfiehlt sich in Bewegung zu bleiben, andernfalls werden die Füße auf den meisten Böden sehr schnell kalt. Sand, Rasen oder Moos geben einiges an Wärme zurück, so dass man dort nicht allzu schnell friert und ein wohliges Feedback bekommt. Extrem unangenehm ist es auf Splitt zu laufen, denn meistens bleibt der länger als der rutschige Boden den er sicher machen soll. Dieses Zeug ist der Feind für Longboarder, Inline-Skater, Barfußäufer, Rennräder in Kurven und Autolack, also warum denkt ihr euch nicht bitte was Neues aus?

Auch sehr unangenehm ist feuchte Kälte. Beim spazieren durch ausgetretene Sandwege, in denen Wasser steht beziehungsweise leicht angefroren ist, meide ich diese stets. Es dauert einfach zu lange den Fuß wieder warm zu laufen und die Sehnen und die Muskulatur kann sich wegen der umschließenden feuchten Kälte verspannen.

Mir wurden auch schon Barfuß-Schuhe von einigen Freunden empfohlen, jedoch habe ich mich nicht durchringen können ein Paar zu testen. Bisher gab es schon einige Tage an denen es mir einfach zu kalt war und ich meine Notschuhe auspacken musste oder schon “beschuht” aus dem Haus ging. Auch beim Fahrradfahren, welches mein Hauptfortbewegungsmittel ist, trage ich natürlich Schuhe. Der Fahrtwind, die fehlende Aktivität der Fußmuskulatur zur Wärmeentwicklung und die meisten Pedalformen lassen es, mir persönlich zumindest, nicht zu barfuß zu fahren.

(Fast-ganz)jahres-Rückblick

Eines wird klar! Barfußlaufen gilt in unserem alltäglichen Leben und Breitengraden als nicht normal. Was ist denn aber bitte normal? Wenn es heißt normal zu sein und damit lästiges An- und Ausziehen, ungesunde Füße, übelsten Geruch im Schuhschrank, oft teure Halbjahresinvestitionen in Schuhwerk, das oft ziemlich ausbeutend und umweltbelastend produziert wird und dann auch noch Rückenschmerzen in Kauf zu nehmen bin ich lieber unnormal, als ungesund.

Ich habe etwas sehr schönes für mich entdeckt, freue mich dies mit Anderen zu teilen und bin schon ganz gespannt auf den Frühling!

Du willst anfangen barfuß zu Laufen? Warte als Anfänger lieber auf den Frühling und versuche dir den Vorderfußgang als Grundfähigkeit anzueignen. Dazu gibt es hier ein Einsteigervideo: Barfuß Laufen Lernen

 

Bleib’ Gesund!

Nachzulesen unter:

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Draussen Gesund 2017

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