Alles eine Geschmackssache…

Wenn man davon ausgeht, dass der Geschmack, also die Vorliebe für eine Geschmacksqualität wie süß, sauer, salzig, bitter und das bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte, aber erst seit kurzem anerkannte umami, hauptsächlich erlernt/antrainiert ist, wirken Werbungen wie diese schlichtweg befremdlich. Was ist deine Lieblingsspeise? Warum bist du mehr der salzig als süß Typ? Und warum ist es besonders wichtig, bei Kindern darauf zu achten, was sie für Nahrung zu sich nehmen oder in der KiTa/Schule verabreicht bekommen?

Aller Anfang

Die großen fünf Geschmäcker sind die bisher wissenschaftlich anerkannten Geschmacksqualitäten, wobei auch nach einem Rezeptor für Fett geforscht wird. Derzeit wird in der Forschung angenommen, dass bereits im zweiten Monat einer Schwangerschaft das olfaktorische (Riechen) und gustatorische (Schmecken) ausgebildet wird und im dritten Monat das Fruchtwasser geschmeckt werden kann. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Mutter für die Vorlieben des Geschmacks des Kindes in den ersten paar Jahren richtungsweisend sein kann. So erklären sich auch, laut Forschung, die frühkindlichen kulturellen Vorlieben des Geschmacks.

Man sagt ja alle sieben Jahre verändert sich der Körper. Diese lapidare Aussage ist relativ zutreffend, andernfalls würden wir vielleicht unser Leben lang Fruchtzwerge und Ketchup-Nudeln oder noch sozial untauglicher Muttermilch zum Mittagessen wählen. Fakt ist, dass die Zellerneuerung ein kontinuierlicher Prozess ist, der zum Ende allen Lebens langsamer wird. Was hat das mit Müttern und dem Geschmack des Kindes zu tun?

Schlecht erzogene Kinder

Damit meine ich eben nicht die, an die du direkt gedacht hast, sondern die Kinder, denen der Geschmack durch billig produzierte Lebensmittel, der Vielfalt der Küchen der Welt versperrt wird, weil erlernte Geschmäcker eher bevorzugt werden als Fremdes. Ein selbstgemachter Eistee, Kartoffelchips aus dem Ofen oder einfach Obst ohne Zusätze scheinen dann vielleicht schlicht und einfach enttäuschend. Man lernt seine Geschmackswelt zu mögen und ist vielleicht sogar zögernd oder ängstlich, wenn der Horizont erweitert werden kann und manchmal soll.

Die Aversion für den Geschmack bitter ist allerdings allen Säuglingen von Anfang an gegeben, er soll vor giftigen Pflanzen und Verdorbenem schützen. Im Laufe der Jahre verlieren Einige diesen Geschmackssinn oder sie gewöhnen sich wie viele an den Geschmack von Bitterem. Bekannte Beispiele dafür sind Bier und Kaffee. Man kann sich also an Geschmäcker gewöhnen oder durch die Eltern daran gewöhnt werden. Durch häufiges Auftreten kulinarisch unterschiedlichster Zutaten und Geschmäcker in frühen Jahren werden Toleranzen gebildet, die dann im weiteren Verlauf des Lebens entweder bevorzugt oder abgelehnt werden können. Das hieße man kann die selbstständige und subjektive Entscheidung darüber, was einem schmeckt oder nicht, erst treffen, wenn man sich “rangeschmeckt” hat oder die Eltern Grundsteine dafür gelegt haben.

Als kleine Randnotiz ein Experiment welches die Frühprägung und Toleranzbildung illustrieren soll: Erwachsene die während der Stillzeit mit Fertigmuttermilch, in der Vanilin enthalten war, gefüttert wurden bevorzugten den Ketchup, der die exakte Vanilin-Muttermilch-Dosis hatte, 60% mehr als anderen Ketchup. Natürlich gestillte Erwachsene bevorzugten den Vanilin-Ketchup nur zu 30%. Zucker bleibt eben lecker 😛 (Friedrich Manz&Irmgard Manz, Sinnesentwicklung und Sinnesausprägung beim Föten und Säugling)

Eins kommt zum Andern

Angefangen beim Konsum der Mutter während der Schwangerschaft, über die Schulverpflegung, die leider manchmal mehr FastFood ist, bis hin zum gemeinsamen Essen im Kreise der Familie lernt oder verlernt man zu Schmecken. Eine Folge aus immer günstiger werdenden Lebensmitteln und dem mehrheitlich fehlendem Wissen, um den eigenen Körper und seiner Ernährung, ist die erschreckend häufig auftretende Kinderdiabetes. Mittlerweile seien ca 2% der Jugendlichen zwischen 14 und 17 mit Typ 2 Diabetes in Deutschland diagnostiziert, die  Tendenz steigend. Die Vorstufe, also Diabetes Typ 1, wurde bei knapp 7% der getetesten Kinder in Deutschland und bei jedem fünften Kind in den USA, dem immer noch dicksten Land der Welt, diagnostiziert. Die FoodCompanies aus Übersee sind in Europa schon seit dem Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg aktiv. Einige mögliche Folgen daraus sind Softdrinks und Burgerketten.

Die deutschen Werbeetats für Lebensmittel aus der Fabrik weisen bereits 2011 in eine eindeutige Richtung, die Richtung des Zuckers in Form von Süßwaren und Schokolade, Milchprodukten, TK und Fertigprodukten. Das Konsumverhalten von Nahrungsmitteln ist schnell, billig und bequem geworden. Fast 30% der in Deutschland befragten des Ernährungsnetzwerks gaben an TK-Pizza zu konsumieren, 16% kaufen regelmäßig Fertig-Essen zum Aufwärmen, Familien mit unter 14 Jahren alten Kindern verwenden überdurchschnittlich häufig entweder TK-Obst, TK-Gemüse, Dosengemüse, Dosenobst, Saucenbinder und Fleisch beziehungsweise Fischgerichte, also die ganze Bandbreite der Fertig-Lebensmittel. Äußerst unangenehm ist der Fakt, dass schnelles und bequemes Essen, was dazu nicht teuer sein darf, aus minderwertigen Zutaten gefertigt werden muss, um der produzierenden Firma Gewinne zu ermöglichen. Konservierungsstoffe, Glutamat, Zitronensäure, Süßstoff oder manchmal auch Gewürze sind in der Inhaltsangabe meist gekennzeichnet. Diese billigen Zutaten sind die Universallösungen der Lebensmittelindustrie und stehen ganz nebenbei unter dem starken Vedacht Krankheiten wie Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern zu fördern, Adipositas, Allergien und vierlei Krebsarten bei Erwachsenen und Kindern wörtlichst genommen anzufüttern.

Am Ende wird die Ente fett

Du findest 1€ für eine Bratwurst ist für dich und deine Kinder ein guter Deal? Dann click dich beim nächsten Einkauf mit Codecheck durch das Kühlregal. Die Daten stehen unter dem Verdacht an einigen Stellen veraltet zu sein, die Warnungen und Erklärungen der solchen sind trotzdem sehr reich an Informationen. Wenn du dann noch mehr wissen willst besuche das Lebensmittellexikon.

Egal wie, die Hersteller wollen, dass du mehr davon isst, sie mehr daran verdienen, deine Gesundheit ist zweitrangig. Ist das bedenklich fragst du dich? Im Anbetracht der Tatsache, dass Jugendliche Diabetes entwickeln, sie nicht wissen wo am Baum die Tomate wächst ;), geschweige denn wissen, was sich eigentlich hinter den Chiffren der Lebensmittelindustrie verbirgt, Multi-nationale Konzerne dir einen “Normgeschmack” anlernen wollen, ist das sicherlich sehr bedenklich. Denn irgendwann werden möglicherweise auch die Jugendlichen zu Eltern und zeigen ihren Kindern was Ernährung bedeutet. Du bist was du isst, sagt man ja so. Wenn das so wäre, säße Schweinchen, Kälbchen und auch Huhn, gekleidet in vorne durchsichtige Plastikschalen, in ihren Kinderzimmern.

Ich habe mal einen sehr schönen Satz gehört, was das Essverhalten und vor Allem die Verfügbarkeit von Lebensmitteln meiner Ansicht sehr passend beschreibt. Michael Pollan, ein Ernährungsaktivist seit vielen Jahren, hat in seinen “Food-Rules” folgenden Punkt formuliert, der finde ich nicht treffender sein kann:

Eat All the Junk Food You Want as Long as You Cook It Yourself.

Bleibt Gesund!

Nachzulesen unter:

Geschmackssinn von Harald Lemke

Die Entwicklungsphasen unseres Organismus

Essen und Ernährungsbildung in der KiTa

Typ 1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

IKK Diabetes bei Kindern

Fertigprodukte

Werbeetats deutscher Lebensmittelhersteller

Konservierungsstoffe

Liste der Konservierungsstoffe

Zusatzstoffe


Draussen Gesund 2016

One Reply to “Alles eine Geschmackssache…”

  1. […] Länge nach aufgeschnittene, Zitronengras mit heißem Wasser auf. Die Verhältnisse sind natürlich Geschmachssache, ich nehme immer den größten Topf (3 Liter) voll Wasser und werfe entweder eine handvoll (10-15) […]

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